Recht & Nachbarn

Ist Dart spielen Lärmbelästigung? Rechtslage erklärt

Was § 117 OWiG, Landesrecht und Hausordnung zum Lärm aus der Wohnung sagen und was du vor einem Streit tun kannst.

Ist Dart spielen Lärmbelästigung?

Dart spielen ist nicht automatisch Lärmbelästigung. Ein Gesetz, das Dart in der Wohnung eigens regelt, haben wir nicht gefunden; es gelten die allgemeinen Regeln zum Nachbarschaftslärm. Bundesweit erfasst § 117 OWiG Lärm ohne berechtigten Anlass oder in unzulässigem oder vermeidbarem Ausmaß, der die Nachbarschaft erheblich belästigen kann. Ruhezeiten stehen im Landesrecht, in Verordnungen der Gemeinde und in der Hausordnung. Ob ein Fall die Schwelle erreicht, entscheiden Behörde oder Gericht im Einzelfall. Dieser Text ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

Grundlagen: Umweltbundesamt: Nachbarschaftslärm, § 117 OWiG: Unzulässiger Lärm

Illustrative Szene am späten Abend: Wohnzimmer mit Stehlampe und Sofa, an der Wand eine Holzuhr ohne Ziffern, auf dem Beistelltisch drei Steeldarts neben einer Tasse, draußen erleuchtete Fenster
KI-generierte Illustration

Ist Dart spielen Lärmbelästigung? Die Einordnung in Kürze

Dart kommt in keinem der Gesetze vor, die wir für diesen Text gelesen haben. Rechtlich zählt nicht das Hobby, sondern das Geräusch: wie stark es bei den Nachbarn ankommt, wann, wie oft und ob es sich vermeiden lässt.

Das Umweltbundesamt bezeichnet Geräusche als Nachbarschaftslärm, wenn sie durch Tätigkeiten von Privatpersonen in der Nachbarschaft entstehen und störend oder belästigend wirken. Als Beispiele nennt die Behörde laut eingestellte Fernseher, Partys und Heimwerkerarbeiten. Das Klopfen eines Dartboards an der Trennwand kann in dieselbe Gruppe fallen, wenn es nebenan stört.

Ob daraus eine Ordnungswidrigkeit oder ein Verstoß gegen den Mietvertrag wird, hängt vom Einzelfall ab. Die folgenden Abschnitte zeigen, welche Regeln es gibt und wo du sie findest. Die technische Fehlersuche steht im Ratgeber zu Dartscheibe und Nachbarn.

Gibt es bundesweite Ruhezeiten für Nachbarschaftslärm?

Eine bundesweit einheitliche Ruhezeit für Alltagsgeräusche aus der Wohnung nennt das Umweltbundesamt nicht. Die Behörde verweist auf drei Ebenen: die Immissionsschutzgesetze der Bundesländer, Regelungen der Kommunen und Hausordnungen. Dort ist zum Beispiel festgelegt, zu welchen Zeiten ein erhöhter Anspruch auf Ruhe besteht. In bestimmten Fällen kann laut Umweltbundesamt auch das Bürgerliche Gesetzbuch greifen (§ 906 und § 1004).

Feste Zeiten auf Bundesebene nennt die Seite des Umweltbundesamts für die Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung. Sie betrifft Geräte und Maschinen für den Betrieb im Freien, etwa Rasenmäher oder Kettensägen. Für das Dartboard im Wohnzimmer hilft sie nicht weiter.

EbeneBeispielWas dort steht
Bund§ 117 OWiGUnzulässiger Lärm; keine Uhrzeit, kein Dezibelwert
LandLandes-Immissionsschutzgesetz Nordrhein-WestfalenGrundregel zur Rücksicht und Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr
GemeindeVerordnung nach Art. 7 des Bayerischen ImmissionsschutzgesetzesZum Beispiel Zeiten für ruhestörende Haus- und Gartenarbeiten
HausHausordnung, MietvertragVereinbarte Ruhezeiten, die im Gesetz nicht stehen müssen

Ist Dart spielen Ruhestörung? Was § 117 OWiG verlangt

Was im Alltag Ruhestörung genannt wird, erfasst bundesweit § 117 des Ordnungswidrigkeitengesetzes. Die Vorschrift trägt die Überschrift Unzulässiger Lärm. Ordnungswidrig handelt danach, wer Lärm erregt

  • ohne berechtigten Anlass oder
  • in einem unzulässigen Ausmaß oder
  • in einem Ausmaß, das nach den Umständen vermeidbar ist.

Dazu muss der Lärm geeignet sein, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen.

Drei Dinge fallen am Wortlaut auf:

  1. Keine Uhrzeit, kein Dezibelwert. Die Vorschrift nennt weder Ruhezeiten noch einen Pegel.
  2. Die Schwelle ist die erhebliche Belästigung. Nicht jedes hörbare Geräusch erfüllt den Tatbestand.
  3. Die Vorschrift ist nachrangig. Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße geahndet werden, aber nur, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann. Greift eine andere Vorschrift, etwa ein Landesgesetz, kommt § 117 nach seinem Wortlaut nicht zum Zug.

Wie Behörden und Gerichte Begriffe wie berechtigter Anlass oder vermeidbares Ausmaß bei einem Dartboard auslegen, ergibt sich nicht aus dem Gesetzestext. Das entscheidet sich am einzelnen Fall.

Landesrecht: Beispiele Nordrhein-Westfalen und Bayern

Die Länder regeln den Lärm aus dem Verhalten von Personen unterschiedlich. Zwei Beispiele zeigen die Spannweite.

Nordrhein-Westfalen. Das Landes-Immissionsschutzgesetz beginnt mit einer Grundregel: Jeder hat sich so zu verhalten, dass schädliche Umwelteinwirkungen vermieden werden, soweit das nach den Umständen des Einzelfalls möglich und zumutbar ist. § 9 schützt die Nachtruhe: Von 22 bis 6 Uhr sind Betätigungen verboten, die geeignet sind, die Nachtruhe zu stören. Ein Verstoß ist nach § 17 eine Ordnungswidrigkeit, für die das Gesetz eine Geldbuße vorsieht.

Bayern. Im Bayerischen Immissionsschutzgesetz haben wir keine landesweite Nachtruhe-Uhrzeit gefunden. Art. 7 ermächtigt stattdessen die Gemeinden, durch Rechtsverordnung zum Schutz vor Geräuschen unter anderem die Benutzung von Musikinstrumenten und Tonwiedergabegeräten sowie die zeitliche Beschränkung ruhestörender Haus- und Gartenarbeiten zu regeln. Was bei dir gilt, steht dann in der Verordnung deiner Gemeinde.

Übertrage deshalb keine Uhrzeit von einem Bundesland auf ein anderes. Das Recht deines Landes und die Regeln deiner Gemeinde findest du über die Internetseiten von Land und Rathaus oder beim Ordnungsamt.

Hausordnung und Mietvertrag: oft genauer als das Gesetz

Hausordnungen sind die dritte Ebene, die das Umweltbundesamt nennt. Sie können Zeiten festlegen, die in keinem Gesetz stehen. Ein Beispiel liefert das Land Berlin: Eine gesetzlich geregelte Mittagsruhe gebe es nicht, häufig aber Vereinbarungen mit dem Vermieter oder innerhalb einer Eigentümergemeinschaft.

Im Mietverhältnis kommt das Vertragsrecht hinzu. Die Hamburger Umweltbehörde beschreibt, was ein Vermieter tun kann, wenn ein Mieter Lärm macht:

  • abmahnen,
  • auf Unterlassung klagen und sich dabei auf die Hausordnung im Mietvertrag berufen,
  • fristlos kündigen, wenn die Störungen nicht aufhören.

Im Bürgerlichen Gesetzbuch stehen dazu zwei Vorschriften. Nach § 541 kann der Vermieter auf Unterlassung klagen, wenn der Mieter einen vertragswidrigen Gebrauch trotz Abmahnung fortsetzt. § 569 Absatz 2 nennt die nachhaltige Störung des Hausfriedens als möglichen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung. Das Gesetz verlangt dafür eine Abwägung aller Umstände des Einzelfalls und der Interessen beider Seiten.

Lies deshalb zuerst deine Hausordnung und deinen Mietvertrag. Was dort zu Ruhezeiten steht, kann für dich enger sein als das Landesrecht.

Zimmerlautstärke: ein Begriff ohne festen Wert

Der Begriff Zimmerlautstärke taucht in Behördentexten auf, etwa beim Land Berlin: Können andere Hausbewohner unzumutbar gestört werden, dürfe Musik auch tagsüber nur in Zimmerlautstärke gehört werden. Eine Definition oder einen Dezibelwert liefert die Seite nicht. Auch in den Gesetzen, die wir gelesen haben, steht keiner. Wir nennen deshalb keine Zahl.

Aufschlussreicher ist, wie Behörden eine Störung beurteilen:

  • Ohne Messung. Nach Angabe des Landes Berlin wird bei einer Anzeige wegen Nachbarschaftslärm kein Schallpegel gemessen. Ob eine Ruhestörung vorliegt, könne „jeder verständige, nicht besonders geräuschempfindliche Mensch“ beantworten. Belegt werde sie durch Zeugen.
  • Mit dem Maßstab des Durchschnitts. Die Hamburger Umweltbehörde schreibt zum Lärm zwischen Nachbargrundstücken, maßgeblich sei nicht das subjektive Empfinden eines Einzelnen, sondern das eines normalen Durchschnittsmenschen. Der Lärm müsse über das ortsübliche Maß hinausgehen.

Für dein Dartboard heißt das: Ein Wert aus einer Handy-App entscheidet nichts. Es kommt auch nicht darauf an, wie leise dir das Spiel im eigenen Zimmer vorkommt, sondern darauf, was nebenan ankommt.

Dazu passt ein Hinweis des Umweltbundesamts zum Bau: Die Norm DIN 4109 legt Mindestanforderungen an den Schallschutz fest. Auch wenn sie eingehalten sind, lassen sich Belästigungen durch Geräusche aus Nachbarwohnungen nicht ausschließen.

Dart spielen in der Wohnung: Was du tun kannst, bevor es Streit gibt

Wer sich gestört fühlt, soll laut Umweltbundesamt zuerst den Verursacher ansprechen. Danach nennt die Behörde Vermieter oder Hausverwaltung und als nächste Stelle die Ordnungsbehörde. Diesem Weg kannst du zuvorkommen:

  1. Regeln lesen. Hausordnung, Mietvertrag und die Ruhezeiten deines Landes und deiner Gemeinde.
  2. Früh sprechen. Sag den Nachbarn, dass du spielst, und frag, ob und wo sie etwas hören.
  3. Zeiten vereinbaren. Eine feste Absprache hilft beiden Seiten mehr als eine Diskussion über Paragrafen.
  4. Übertragung mindern. Nebenan kommt vor allem Körperschall an, also Schwingungen, die über die Befestigung in die Wand gelangen. Dagegen hilft Entkopplung; das Prinzip beschreibt Getzner für elastische Lager. Wie das am Dartboard geht, steht im Ratgeber zum Dämmen der Dartscheibe. Fertige Systeme zeigt der Schallschutz-Vergleich.
  5. Standort prüfen. Eine andere Wand oder ein Dartständer statt Wandmontage verändert den Weg des Schalls. Beim Ständer bleibt der Kontakt zum Boden.
  6. Ergebnis prüfen. Mach eine Hörprobe mit denselben Würfen am selben Ort, vor und nach der Änderung.

Ein Schallschutz-System ist keine Erlaubnis für bestimmte Uhrzeiten und macht das Spiel nicht geräuschlos. Es kann aber dazu beitragen, dass nebenan weniger ankommt.

Wichtig: allgemeine Information, keine Rechtsberatung

Dieser Ratgeber gibt Gesetzestexte und Behördenangaben wieder, Stand 13. Oktober 2026. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Für deinen Fall zählen dein Mietvertrag, deine Hausordnung, das Recht deines Bundeslands und die Regeln deiner Gemeinde. Bei einem Streit helfen dir Mieterverein, Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt weiter.

Häufige Fragen

Ist Dart spielen Lärmbelästigung?

Nicht automatisch. Entscheidend ist, wie stark, wann und wie oft das Geräusch bei den Nachbarn ankommt und ob es vermeidbar ist. § 117 OWiG setzt voraus, dass der Lärm die Nachbarschaft erheblich belästigen kann. Das beurteilen Behörde oder Gericht im Einzelfall; dieser Text ist keine Rechtsberatung.

Ist Dart spielen Ruhestörung?

Das Wort Ruhestörung steht nicht in § 117 OWiG; dort heißt der Tatbestand unzulässiger Lärm. In Nordrhein-Westfalen sind zum Beispiel von 22 bis 6 Uhr Betätigungen verboten, die geeignet sind, die Nachtruhe zu stören. Ob das Klopfen deines Boards darunter fällt, hängt davon ab, was nebenan ankommt.

Ist Dart spielen in der Wohnung erlaubt?

In den Gesetzen, die wir für diesen Ratgeber gelesen haben, kommt Dart nicht vor. Maßgeblich sind die allgemeinen Lärmregeln deines Bundeslands und deiner Gemeinde sowie Hausordnung und Mietvertrag. Lies diese Regelwerke, bevor du dich auf eine allgemeine Aussage verlässt.

Kurzfassung im Ratgeber zu Nachbarn
Bis wie viel Uhr darf ich in der Wohnung Dart spielen?

Eine bundesweit einheitliche Uhrzeit für Alltagsgeräusche aus der Wohnung nennt das Umweltbundesamt nicht. Die Zeiten stehen im Landesrecht, in Verordnungen der Gemeinde und in der Hausordnung. Nordrhein-Westfalen schützt die Nachtruhe zum Beispiel von 22 bis 6 Uhr; in Bayern dürfen Gemeinden eigene Verordnungen erlassen.

Wie viel Dezibel sind Zimmerlautstärke?

Einen festen Dezibelwert haben wir in keinem Gesetz und bei keiner Behörde gefunden. Das Land Berlin verwendet den Begriff für Musik, erklärt ihn aber nicht mit einer Zahl. Bei Anzeigen wegen Nachbarschaftslärm wird dort nach Angabe des Landes kein Schallpegel gemessen.

Was kann der Vermieter tun, wenn sich Nachbarn über mein Dartboard beschweren?

Die Hamburger Umweltbehörde beschreibt den allgemeinen Weg: Der Vermieter kann abmahnen, auf Unterlassung klagen und, wenn die Störungen nicht aufhören, fristlos kündigen. § 541 BGB setzt für die Unterlassungsklage eine Abmahnung voraus. Ob das in deinem Fall berechtigt wäre, kann nur eine Rechtsberatung klären.

Quellen & Einordnung

Quellen zuletzt geprüft: 13. Oktober 2026. Die Quellen erklären Grundlagen, Regeln und Herstellerangaben; sie belegen keine konkrete Dämmwirkung eines hier vorgestellten Aufbaus. Praktische Prüfschritte sind redaktionelle Empfehlungen.